SEKTEN: 
Arbeitsblätter
Hinweis


Arbeitsblatt 1: 

(aus einem Zeitungsartikel)

Verführung oder Verheißung?

Am Mittwoch, den 26.März 1997 fand die Polizei in einem Haus bei San Diego/Kalifornien 39 Tote, davon 21 Frauen, im Alter zwischen 18 und 72 Jahren. Alle lagen auf frisch bezogenen Betten, mit schwarzen Hosen, Hemden und Turnschuhen bekleidet. Mit purpurroten Tüchern waren Oberkörper und Kopf bedeckt. Alle hatten ihre Reisetaschen gepackt. Das Haus war peinlich sauber. Es handelte sich um die Anhänger der Gruppe „Heaven´s Gate“, die sich zusammen mit ihrem Führer Marshall Herff Applewhite selbst getötet hatten – in drei Etappen: So konnten die noch Lebenden den Sterbenden behilflich sein und hinter ihnen aufräumen.

Die Gruppenmitglieder, die sich Schwester und Bruder nannten, waren überzeugt, in einem Raumschiff, das sich im Schweif des Kometen Hale-Bopp verborgen der Erde näherte, die Reise zu einer „höheren Ebene“ anzutreten, wo sie neue Körper empfangen würden. Ihren Lebensunterhalt verdiente die Gruppe mit Internet-Homepages für Unternehmen. Gesprächen mit Nachbarn und ehemaligen Anhängern war zu entnehmen, dass sich alle Mitglieder schwarz kleideten, ihre Haare kurz schnitten und erzählten, dass sie Engel seien und „von einer höheren Ebene des Lebens“ stammten. Ihre Körper nannten sie „Vehikel“ oder Container. Mit der Annäherung des Kometen Hale-Bopp an die Erde (im März/April 1997) sahen sie das Ende ihrer „Mission“ gekommen.

Aufgaben zum Text:  

1)    Beschreibe mit eigenen Worten die Gründe für das Geschehen am 26.3.97.

2)    Beschreibe die Vorstellung über das höhere Wesen, die die Sekte ihren Mitgliedern vermittelt und nehme dazu kritisch Stellung.  

3)    Überlege Beweggründe, die Menschen dieser Sekte zur freiwilligen Selbsttötung führten.

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Arbeitsblatt 2: 

Warum suchen so viele Zuflucht bei einer Sekte?

Die Gründe, warum Menschen- vor allem Jugendliche- von Sekten fasziniert sind, sind vielfältig:

- Viele Jugendliche sind auf der Suche nach dem Lebenssinn. Sie sehen die Probleme und Missstände dieser Welt und suchen nach einem Rezept, das möglichst gegen alle Missstände dieser Welt auf einmal hilft: gegen Krieg und Hungersnot, gegen Umweltverschmutzung, Gewalt und Arbeitslosigkeit. Manche Sekten versuchen an Hand dieser Fragen die Jugendliche zu ködern.

 - Die Welt ist heute für viele Menschen unüberschaubar kompliziert geworden. Es gibt sehr viele Meinungen und Wertvorstellungen. Es fällt schwer, sich in diesem Irrgarten zurechtzufinden. Sekten bieten oft eine klare Antwort auf alle Fragen. „Zerbrich dir nicht den Kopf, alle Fragen hat schon der Meister beantwortet, du musst nur glauben!“[1]. Die komplizierte Welt ist plötzlich ganz einfach geworden. „Wir in unsrer Gruppe sind gut, gerettet, auserwählt, alle anderen sind schlecht, verloren und verdammt! Was unser Meister sagt, ist die Wahrheit, er ist nämlich erleuchtet!“[2].

- Viele Jugendliche suchen nach persönlicher Zuwendung und Interesse an ihren Problemen.

Genau dies scheinen Sekten anzubieten. Geworben wird oft auf verdeckte Weise: Bei scheinbar neutralen Veranstaltungen, in Jugendclubs, durch persönliche Ansprache: Wer würde den nicht neugierig, wenn z.B. Michael erzählt, dass er tolle Leute mit dem echten Durchblick getroffen hat, oder z.B. Lisa von einer neuen Gruppe schwärmt, in der man sich endlich total verstanden fühlt? Sektenwerber setzen genau an diesem Gefühl an, und werden darauf trainiert ihrem gegenüber mit ständigem, direktem Augenkontakt zu begegnen, sowie sich sehr verständnisvoll und symphatisch zu geben.

Wer ist verführbar?
Prinzipiell sind alle Menschen für eine Sekte ansprechbar, weil alle Menschen Wünsche nach Geborgenheit, Sinn und Zuwendung haben. Dies trifft besonders auf Jugendliche zu. Genau an diesem Punkt setzen die Sektenwerber an.

Besonders gefährdet sind Menschen, die in einer seelischen Krise stecken, ebenso Menschen in Umbruchsituationen, zum Beispiel zwischen Schulabschluss und Arbeitsbeginn.

Die Sektenwerbung läuft zunehmend über Vertrauenspersonen.

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Aufgaben:  

1)  Schreibe in Stichworten Motive und Beweggründe für den Sekteneinstieg auf.

     2) Gewichte die Motive mit einer Skala von 1 – 6

        (1=absolut unbedeutend 6= sehr bedeutsam)

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Arbeitsblatt 3:

Methoden der Sektenwerber

- Die Sekten legen Wert darauf, dass der Angeworbene möglichst wenig Kontakt zu Außenstehenden hat. Es findet eine ständige Beaufsichtigung durch die Gruppenmitglieder statt. Die neuen Mitglieder werden gedrängt jede freie Minute mit der Gruppe zu verbringen.

- Man versucht eine Steuerung der Gedanken durch entsprechende Gespräche, bei denen zum Beispiel ausgewählte Bibelstellen zitiert werden und jegliche Kritik abgeschossen wird.

- Die Sekten erzeugen beim Geworbenen oft Schuld- und Angstgefühle und drängen ihn zu dauernder Aktivität, die dann zu einer permanenten Übermüdung führt.

- Sekten entwickeln eine eigene Sprachform. Dies führt oft dazu, dass man mit anderen Menschen außerhalb der Sekte nicht mehr normal reden kann.

-Häufig taucht das Argument auf: „Das kann man nicht erklären. Das musst du einfach erlebt haben.“ Viele Gruppen argumentiere damit, dass Heilserlebnis, das sie anbieten, sei eben mit Worten nicht zu beschreiben, mitreden könne da nur, wer es selbst erlebt habe.

Es ist daher offensichtlich, dass ein kritisches Gespräch nur während der ersten Phase- wenn der Kontakt zur Gruppe noch locker ist- einen Sinn hat. Später werden Argumente kurzerhand vom Tisch gewischt, meistens mit der Begründung, die Eltern/Angehörigen/Freunde seien eben nicht erleuchtet genug um die Gruppe richtig einzuschätzen.

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Aufgaben:

  Überlege Gefahren, die bei diesen Methoden für Menschen entstehen.

  Warum sind genau Menschen in Krisensituationen für Sekten und ihre Methoden so anfällig?

  Erläutere Erwartungen an die traditionelle Kirchen, um diese Gefahren zu mildern

 



[1] Colin Goldner, Psycho, Pattloch-Verlag 1997, Seite 289

[2] Colin Goldner, Psycho, Pattloch-Verlag 1997, Seite 289

 
 

Die Blätter sind Hinweise zur Bearbeitung und Themenfindung des Referats.