Kolumne: Beamer und Wurstsalat Bilder:


Kolumne 20.7.2008

 ... gestern Abend ist es wieder mal passiert: auf der Realschulabschlussfeier meines Sohnes Benjamins wurde die Beamer-Präsentation zum peinlichen Reinfall...

Die Schüler wurden zur würdevollen Zeugnisübergabe einzeln vom Rektor auf die Bühne gebeten -  und ein Beamer sollte parallel dem stolzen Auditorium aus Elternschaft und Lehrkörper die einzelnen und hart geprüften Schüler in Großbild präsentieren:  bis aus Marc, den der Rektor zu sich rief, eine lachende Jasmin auf Großleinwand wurde... dann purzelten die Schülerbilder wild durcheinander. Dem würdevollen Augenblick folgte Betretenheit und der Beamer war nicht mehr zu stoppen ... peinlich, aber kein Einzelfall! Leider!

Beamer und Wurstsalat schoss es mir als stolzer Vater durch den Kopf und meine Gedanken schweiften ab. Denn... 

...manchmal würde auch ich gerne wie Mr. Spock beamen können – weit weg von einem Planet  zum anderen. Nämlich immer genau dann, wenn ich abends als Referent mit einem Laptop zu einer Veranstaltung geladen bin. Denn wie das Amen in der Kirche: Die innige Verbindung zwischen Beamer und Laptop klappt nicht, egal welcher realer Anstrengung sich  Veranstalter und Referent im Vorfeld unterziehen, um virtuell uptodate zu sein. Ich beneide dann immer die Teilnehmer, die sich während dessen schon über den bestellten und lecker zubereiteten Wurstsalat hermachen dürfen. 

Früher wurden Sie vor Beginn einer solchen abendlichen Bildungsveranstaltung von den Veranstaltern individuell, freudestrahlend und herzlich mit Handschlag begrüßt: denn es kommen immer weniger zu solchen Abendveranstaltungen in den Nebenzimmern von Gaststätten und wenigstens Sie geben mit Ihrer Anwesenheit und der geopferten Zeit der Veranstaltung Glanz und Ehre. Deshalb der persönliche und aufrichtige Handschlag. Heute erkennen Sie die Verantwortlichen vor Beginn der Veranstaltung lediglich meist jedoch nur noch daran, dass sie mit dem Referenten bzw. Gastredner schweißtreibend, hektisch und mit sorgenvollen Gesichtern versuchen, den Beamer samt Laptop in Gang zu bekommen. Sie als Gast sind lediglich Beiwerk. Hauptsache der Beamer strahlt in seinen gedämpften Farbtönen auf der Leinwand.

Falls es tatsächlich dann nach Minuten der Verzweiflung den Anschein hat, dass die Technik einwandfrei zur Verfügung stünde,  begrüßt ein total erleichterter Veranstalter die teilnehmenden Gäste. Wetten, seine ersten Worte sind: „Gottseidank, die Technik funktioniert“. Lehnen Sie sich genüsslich zurück: denn meist beginnt erst jetzt das Chaos. Denn eine moderne Technik, die einmal beherrscht wurde, heißt nicht automatisch, dass sie dann auch tatsächlich funktioniert. Denn spätestens wenn das Protokoll nun beginnt, der Referent des Abends gegrüßt wurde und seine erste Folie zeigen möchte, werden die Gesichter der Veranstalter wieder sorgenvoll: Denn der Teufel steckt im Detail! Z.B. erweist sich die Datei auf dem Stick des Referenten nicht kompatibel mit dem Laptop-Programm des Veranstalters oder: die voreingestellte Datei im Viewmodus des Laptops ist plötzlich in den Standby Modus zurück gefahren und kann nicht mehr gestartet werden. Wieder Pause! Meist müssen beide Geräte wieder aufwendig neu gestartet werden. Der Beamer bleibt dabei seltsam blau. Und sicher bestellen Sie spätestens jetzt schon mal einen Wurstsalat.      

Sie beobachten, wie der Referent langsam weiß im Gesicht wird und sich erste Schweißperlen auf seiner Stirn zu bilden beginnen. Er denkt angestrengt. Und während Sie den Elsässer Wurtsalat genüsslich kosten, sehen Sie dem Referent an, wie er seine Ausführungen im Kopf eilens Revue passieren lässt. Er stellt sich langsam aber sicher darauf ein, frei und ohne Konzept – sozusagen aus der Erinnerung, seine Ausführungen zu referieren. Er würde am liebsten wie Mr. Spock nun auf einen anderen Planeten beamen. So beginnt er nun wieder erneut: „Es tut mir leid, leider muss ich ohne Technik den Abend gestalten“. Wenigstens ist Ihr Wurstsalat nicht virtuell, mag es Ihnen durch den Kopf schießen.   

 Auch ich habe mir einmal extra einen Laptop für solche Abende zugelegt. Aber inzwischen verleugne ich dieses Gerät bei Anfragen von Veranstaltern. Ich berufe mich mit einer Notlüge darauf, dass ich technisch noch in der Steinzeit lebe und nur Folien für ein Overhead Gerät habe. Das klappt dann meist auch problemlos und die Veranstaltung ist so rechtzeitig fertig, dass auch ich als Referent nach ihrem Ende noch in den stressfreien Genuss eines leckeren Wurstsalates kommen kann.

 Patrik Schneider, Dipl. Theologe

 

 


Kolumne: 
Gedanken zur Erwachsenenbildung

(Achern 2006)

Kolumne 
T
ipps für Schwarzwaldreisende
(2008)

weitere Texte

 


Böblingen, 2000:
der Zwiebelrostbraten  

Leseprobe aus dem Buch:
"Reich mir mal den Himmel", 
Ostfildern 2000
  Buch
 
(im PDF-Format)

 

 

 

zurück zum Anfang