| Kolumne: Beamer und Wurstsalat | Bilder: |
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gestern Abend ist es wieder mal passiert: auf der
Realschulabschlussfeier meines Sohnes Benjamins wurde die Beamer-Präsentation
zum peinlichen Reinfall... Die
Schüler wurden zur würdevollen Zeugnisübergabe einzeln
vom Rektor auf die Bühne gebeten - und ein
Beamer sollte parallel dem stolzen Auditorium aus
Elternschaft und Lehrkörper die einzelnen und hart geprüften
Schüler in Großbild präsentieren: bis aus Marc,
den der Rektor zu sich rief, eine lachende Jasmin auf
Großleinwand wurde... dann purzelten die Schülerbilder
wild durcheinander. Dem würdevollen Augenblick folgte
Betretenheit und der Beamer war nicht mehr zu stoppen ...
peinlich, aber kein Einzelfall! Leider! ...manchmal
würde auch ich gerne wie Mr. Spock beamen können – weit
weg von einem Planet zum
anderen. Nämlich immer genau dann, wenn ich abends als
Referent mit einem Laptop zu einer Veranstaltung geladen
bin. Denn wie das Amen in der Kirche: Die innige Verbindung
zwischen Beamer und Laptop klappt nicht, egal welcher realer
Anstrengung sich Veranstalter
und Referent im Vorfeld unterziehen, um virtuell uptodate zu
sein. Ich beneide dann immer die Teilnehmer, die sich während
dessen schon über den bestellten und lecker zubereiteten
Wurstsalat hermachen dürfen.
Früher
wurden Sie vor Beginn einer solchen abendlichen
Bildungsveranstaltung von den Veranstaltern individuell,
freudestrahlend und herzlich mit Handschlag begrüßt: denn
es kommen immer weniger zu solchen Abendveranstaltungen in
den Nebenzimmern von Gaststätten und wenigstens Sie geben
mit Ihrer Anwesenheit und der geopferten Zeit der
Veranstaltung Glanz und Ehre. Deshalb der persönliche und
aufrichtige Handschlag. Heute erkennen Sie die
Verantwortlichen vor Beginn der Veranstaltung lediglich
meist jedoch nur noch daran, dass sie mit dem Referenten
bzw. Gastredner schweißtreibend, hektisch und mit sorgenvollen
Gesichtern versuchen, den Beamer samt Laptop in Gang zu
bekommen. Sie als Gast sind lediglich Beiwerk. Hauptsache
der Beamer strahlt in seinen gedämpften Farbtönen auf der
Leinwand. Falls
es tatsächlich dann nach Minuten der Verzweiflung den
Anschein hat, dass die Technik einwandfrei zur Verfügung stünde,
begrüßt ein total erleichterter Veranstalter die
teilnehmenden Gäste. Wetten, seine ersten Worte sind:
„Gottseidank, die Technik funktioniert“. Lehnen Sie sich
genüsslich zurück: denn meist beginnt erst jetzt das
Chaos. Denn eine moderne Technik, die einmal beherrscht
wurde, heißt nicht automatisch, dass sie dann auch tatsächlich
funktioniert. Denn spätestens wenn das Protokoll nun
beginnt, der Referent des Abends gegrüßt wurde und seine
erste Folie zeigen möchte, werden die Gesichter der
Veranstalter wieder sorgenvoll: Denn der Teufel steckt
im Detail! Z.B. erweist sich die Datei auf dem Stick des
Referenten nicht kompatibel mit dem Laptop-Programm des
Veranstalters oder: die voreingestellte Datei im Viewmodus
des Laptops ist plötzlich in den Standby Modus zurück
gefahren und kann nicht mehr gestartet werden. Wieder Pause!
Meist müssen beide Geräte wieder aufwendig neu
gestartet werden. Der Beamer bleibt dabei seltsam blau. Und
sicher bestellen Sie spätestens jetzt schon mal einen
Wurstsalat.
Sie
beobachten, wie der Referent langsam weiß im Gesicht wird und
sich erste Schweißperlen auf seiner Stirn zu bilden
beginnen. Er denkt angestrengt. Und während Sie den Elsässer
Wurtsalat genüsslich kosten, sehen Sie dem Referent an, wie
er seine Ausführungen im Kopf eilens Revue passieren lässt.
Er stellt sich langsam aber sicher darauf ein, frei und ohne
Konzept – sozusagen aus der Erinnerung, seine Ausführungen
zu referieren. Er würde am liebsten wie Mr. Spock nun auf
einen anderen Planeten beamen. So beginnt er nun wieder
erneut: „Es tut mir leid, leider muss ich ohne Technik den
Abend gestalten“. Wenigstens ist Ihr Wurstsalat nicht
virtuell, mag es Ihnen durch den Kopf schießen.
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Kolumne
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